» Straubinger Tagblatt vom 04.11.2010
Bernie Englbrechts Erkenntnis nach über 35 Jahren im Profigeschäft:
„Als Torhüter ist man Teil eines Mannschaftssports, aber letztlich doch ein Einzelkämpfer“
Der Landshuter ist der erste Torwart-Trainer der Tigers – „Arbeit mit Schläger immer wichtiger“
Dass sich die Straubing Tigers seit ihrer DEL-Zugehörigkeit von Jahr zu Jahr aus sportlicher Sicht weiterentwickelten, steht außer Frage und zeigt sich auch am momentanen Tabellenplatz.
Platz sechs vor den letzten beiden Spielen vor der November-Pause - das gabs noch nie. Und das weckt schon jetzt die Vorfreude auf das Gastspiel des amtierenden deutschen Meisters Hannover am Sonntag um 18.30 Uhr am Pulverturm. Doch auch personell hat sich einiges getan: Zum ersten Mal erhalten die beiden Tigers-Keeper in dieser Saison Unterstützung von einem eigenen Torwarttrainer.
Bernie Englbrecht gehört seit August zum Straubinger Trainerstab und steht Dimitri Pätzold und Jan Guryca mit Rat und Tat zur Seite. Der gebürtige Landshuter war zuletzt in gleicher Funktion im Trainerstab des deutschen Meisters Hannover, vorher Cheftrainer in Deggendorf und München sowie Co-Trainer in Hannover und Kassel. Seine erfolgreichste Zeit waren seine vier Trainerjahre bei seinem Heimatclub Landshut von 2001 bis 2005. Außerdem war Englbrecht auch im Trainerstab des deutschen A-Nationalteams und der Nachwuchs-Nationalmannschaften tätig. Und somit hat auch Englbrecht seinen Anteil an der Leistung der Mannschaft. Und der ist größer als man glaubt, denn unvergessen ist der geflügelte Satz aus Kanada: „Ein guter Goalie macht 75 Prozent einer Mannschaft aus, ein schlechter aber 100 Prozent.“ Und auf die Torhüter können sich die Tigers bisher in dieser Saison verlassen: Dimitri Pätzold hat unter Englbrecht die Rückkehr ins Nationalteam geschafft, hat seinem Team schon so manchen Punkt gerettet und hält sich in den Top-Ten bei allen relevanten Goalie-Statistiken. Und Jan Guryca, der mit keinen guten Fitnesswerten aus der 2. Bundesliga kam, machte Englbrecht zu einem vollwertigen Backup, den man jederzeit bringen kann und der bei seinen zwei Einsätzen gerade einmal drei Gegentreffer insgesamt hinnehmen musste. So mancher mag die Verpflichtung aufgrund der Landshuter Vergangenheit von Englbrecht kritisch gesehen haben, doch die damalige Rivalität ist längst vergessen. „Die Cannibals spielen mittlerweile eine Liga tiefer. Von Konkurrenz kann also keine Rede mehr sein“, so der 52-Jährige nüchtern.
Wie ein Goalie sein sollte
Dass er seit dem Sommer nun „auf der anderen Seite“ steht und Straubings Keeper coacht, hat zwei Gründe. „Es war zunächst der Co-Trainer-Job in Landshut bei mir im Gespräch, aber daraus wurde letztlich nichts. Außerdem kenne ich Jürgen Rumrich, weil er wie ich in Landshut wohnt und wir uns öfter in der Eisdiele und bei Spielen gesehen haben“, erklärt Englbrecht. Und so trainiert er nun einmal in der Woche, normalerweise mittwochs, speziell mit den beiden Keepern. Im Vordergrund steht dabei die Arbeit mit dem Schläger, da dies „immer wichtiger wird“, so der Ex-Torhüter. Ohnehin hat sich das Anforderungsprofil in den vergangenen Jahren deutlich verändert: „Früher blieben die Goalies so gut es geht stehen, heute haben die meisten den Butterfly-Stil drauf. Außerdem hieß es zu meiner Zeit, kleinere Leute seien besser, weil sie wendiger sind. Mittlerweile gilt je größer desto besser, weil man dann automatisch schon viel Platz im Tor wegnimmt.“
Letzteres sei auch die große Stärke von Backup Jan Guryca: „Er lässt dem Gegner mit seiner Größe und mit seinem Spiel nicht viel Möglichkeiten.“ Pätzold, den er aus der U20-Nationalmannschaft her kennt, bewegt sich nach Meinung seines Trainers dagegen sehr gut und ist von seiner ganzen Art und seinem Spiel her der beste DEL-Keeper. Dass die Tigers entgegen den meisten anderen Clubs auf ein deutsches Torhüterduo setzen, freut ihn, denn: „Wir haben genügend talentierte Keeper. Wenn sie das Vertrauen ihrer Trainer bekommen, dann können sie es locker in die DEL schaffen. Bestes Beispiel ist im Moment Hannover, wo man mit zwei 18-jährigen Förderlizenzkeepern Erfolg hat.“
Der sportliche Erfolg blieb Straubing in den vergangenen Heimspielen allerdings verwehrt. Englbrecht verfolgt die Partien von der Sitzplatztribüne auf der Ostseite aus, denn: „Da habe ich einen sehr guten Überblick und kriege nichts von der Hektik auf der Spielerbank mit.“ In den Pausen geht er dann in die Kabine und teilt sowohl den Keepern als auch Trainern seine Beobachtungen mit. Generell sprechen er und Rumrich sich ab, „wer wann im Tor steht, auch wenn die letzte Entscheidung natürlich bei ihm liegt“, so Englbrecht und erklärt: „Es hat viele überrascht, dass Jan gegen Berlin gehalten hat. Aber man darf die Belastung für einen Torhüter bei so vielen Spielen nicht unterschätzen.“
Sich Zeit nehmen
Obwohl zwar die Leistungen sowohl von Guryca gegen die Eisbären als auch Pätzold gegen Ingolstadt gelobt wurden, musste Letzterer nach der bitteren Niederlage gegen seinen Ex-Club trotzdem mächtig auf die Zähne beißen. „Er wollte besonders gut sein und den mitgereisten Fans beweisen, dass sie sich in der vergangenen Saison ihm gegenüber unfair verhalten haben“, weiß Englbrecht. Der Schuss ging allerdings nach hinten los, denn Pätzold erntete reihenweise Schmähgesänge der ERC-Fans. „Das ist nicht leicht, aber da muss man drüber stehen und es am besten nicht hören“, so der Tipp seines Trainers, der den Nationalkeeper anschließend wieder aufbaute. Und dass Pätzold so etwas wegstecken kann, zeigte er am Montag in Köln, wo er sein Team im ersten Drittel im Spiel hielt und am Ende den Sieg festhielt.
Gerade für Leute wie Pätzold, die sehr ruhig sind und alle Situationen genauestens analysieren, sei es wichtig, dass man sich Zeit für sie nehme, so Englbrecht. Denn was viele vergessen: „Als Torhüter ist man schon ein verrückter Typ, aber man ist oft auch wirklich arm dran. Man ist Teil eines Mannschaftssports und doch ein Einzelkämpfer.“ Eine Erkenntnis, die man Englbrecht nach nunmehr 35 Jahren im Profigeschäft ohne weiteres glauben kann.
Michaela Retzer
 
 


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