Verdiente 1:2-Niederlage der Straubinger gegen Krefeld nach einer über weite Strecken enttäuschenden Leistung
(wel) Die Euphorie und die Erwartungshaltung waren groß, die Ernüchterung nach den ersten 60 Minuten der neuen DEL-Saison ebenso: Nach einer über weite Strecken enttäuschenden Leistung musten sich die Straubing Tigers zum Saisonauftakt den Krefeld Pinguinen verdient mit 1:2 geschlagen geben.
Dies sah auch Trainer Jürgen Rumrich so: „Wir wollten von Anfang an viel Druck auf den Gegner ausüben, das ist uns leider nicht gelungen. Nur im ersten Drittel und nach dem 1:2 in Ansätzen. Aber das ist zu wenig.“ Und die Mängelliste im Lager der Tigers ist in der Tat lang. Die Gäste waren über weite Strecken die bessere Mannschaft, wirkten spritziger und waren den Gastgebern spielerisch und läuferisch überlegen. Das Lob von Gäste-trainer Rick Adduono, der von einer disziplinierten und starken Straubinger Mannschaft sprach, musste denn auch Rumrich mit einem Schmunzeln quittieren. Lediglich in der Einschätzung von Torhüter Dimitri Pätzold („Straubings Torhüter war stark und hat einige starke Paraden gezeigt“) konnte man dem Gästecoach uneingeschränkt recht geben.
Die schon in der Vorbereitung alles andere als souveräne Abwehr wirkte auch gegen die Rheinländer nicht sattelfest und konnte sich mehrfach beim guten Dimitri Pätzold im Tor bedanken, der die Tigers im Spiel hielt. Auch in der Offensive und in Überzahl blieb vieles Stückwerk, und den Straubingern bleibt viel Arbeit, will man die hohen Saisonziele erreichen.
Es war alles angerichtet für einen erfolgreichen Saisonstart: Eine tolle Kulisse am Pulverturm und ein Start nach Maß. Schon nach 30 Sekunden hatten die Tigers ihre erste Torchance, nach einer Minute gab es den ersten krachenden Open-Ice-Hit von Florian Ondruschka gegen Gäste-Angreifer Charlie Stephens und in der 2. Minuten hatten die Gastgeber gleich ihr erstes Powerplay. Einzig der ersehnte frühe Führungstreffer fiel nicht, und so kamen die Krefelder immer besser ins Spiel. Gerade in der Verteidigung zeigten sich immer wieder die schon in der Vorbereitung zu Tage getretenen Lücken, und so konnten sich die Tigers bei Torhüter Dimitri Pätzold bedanken, dass man nicht in Rückstand geriet. Gegen den in Überzahl völlig freistehenden Blank klärte er in der 7. Minute genauso wie gegen den in der 13. Minute vor ihm auftauchenden Pietta. Den Tigers merkte man die Nervosität nun an, besonders im Spiel nach hinten. Und auch nach vorne war man nur sporadisch gefährlich.
War das Chancenverhältnis im ersten Drittel noch ausgeglichen, so erspielten sich die Krefelder im Mitteldrittel eine deutliche Überlegenheit. Und so war der Führungstreffer der Gäste durch Hager Mitte des zweiten Drittels auch verdient. Als die Gastgeber nach zehn Minuten im Mittelabschnitt zum ersten Mal gefährlich vor dem Tor von Langkow auftauchten, rückten alle fünf Spieler zu weit auf, und nach einem öffnenden Pass von Stephens ließ sich Hager die Chance per Alleingang nicht nehmen. Das spielte natürlich den kompakt stehenden und läuferisch und spielerisch starken Gästen in die Karten, so dass die Tigers auch im weiteren Verlauf des Mitteldrittels durch Goren nur noch zu zwei weiteren wirklich ernsthaften Torchancen kamen.
Vieles blieb Stückwerk, Fehlpässe waren an der Tagesordnung und man hätte sich nicht beschweren können, wenn die Krefelder nach 40 Minuten höher geführt hätten. Da sich auch noch Stürmführer Derek Hahn eine Zehn-Minuten-Strafe einhandelte, war auch im Schlussdrittel nicht mit Besserung zu rechnen. Und so kamen die Gäste quasi spielerisch leicht zum 0:2, als Blank in der 43. Minute den völlig freistehenden Trepanier bediente und dessen Direktabnahme genau im Winkel landete.
Nun schienen die Tigers aber endlich aufzuwachen, setzten sich nun in der Verteidigungszone der Krefelder, die sich immer weiter einigelten, fest und kamen auch prompt zum Anschlusstor. Der Ausgleich fiel aber nicht mehr, und das hatte mehrere Gründe: Zum einen blieb das Powerplay auch im Schlussdrittel schwach, dann reagierte Gäste-Keeper Langkow noch zweimal glänzend in der Schlussphase und zu guter letzt vergab auch noch Goren 30 Sekunden vor dem Ende die letzte Großchance der Gastgeber.
Von einem verdienten Gästesieg sprach auch Augsburgs Trainer Larry Mitchell, der Zaungast war, weil sein Team spielfrei hatte und am Sonntag nach Krefeld reisen muss: „Sie sind ein sehr cleveres Team, das hat man heute gesehen. Das erste Drittel war noch ausgeglichen, finde ich, aber danach war Krefeld die läuferisch und technisch bessere Mannschaft.“
Mannheim in diesem Jahr Etat-Krösus – Ex-Tiger Robert Dietrich Top-Neuzugang
(mir) Seit Ende vergangener Woche ist klar: Das erste Auswärtsspiel der Tigers findet wie geplant am Sonntag (Spielbeginn: 18.30 Uhr) in Mannheim statt. Dies war lange ungewiss, denn die Adler hatten die Chance zur Qualifikation für das Finalturnier um die European Trophy, an der 18 Teams aus sechs Nationen teilnehmen. Doch zwei klare Niederlagen gegen Prag und Berlin machten ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nachfolgend wird Straubings erster Auswärtsgegner genauer unter die Lupe genommen:
Der Gegner: Mit acht Millionen Euro den größten Etat, mit 5150 Tickets die meist verkauften Dauerkarten der Liga und so weiter. Ein Blick auf Mannheim zeigt: Dort ist alles irgendwie größer und teurer als bei den anderen DEL-Clubs. Dort haben die Spieler in der Multifunktionsarena, benannt nach dem Hauptsponsor SAP, nicht nur eine Umkleidekabine und Duschen, sondern einen eigenen Trakt mit vier Zimmern, Küche, Bad, Sauna, Fitnessräumen und insgesamt Platz für mehr als 25 Personen. All der Luxus half in der vergangenen Saison allerdings nichts. Der Mitfavorit um die Meisterschaft schied in den Pre-Playoffs sang- und klanglos aus.
Die Abgänge: In diesem Jahr soll es wieder deutlich besser laufen. Deshalb lösten die Adler die Verträge von Spielern wie Andy Hedlund und Michael Hackert, die in der vergangenen Saison hinter den Erwartungen zurückblieben, auf. Auch vermeintliche Führungsspieler wie Colin Forbes, Ahren Spylo und Pascal Trepanier hatten keine Zukunft mehr in Mannheim.
Die Neuzugänge: Stattdessen holten die Verantwortlichen Harold Kreis, der in Mannheim nach 18 Jahren als Spieler ein Idol ist und dementsprechend Kredit bei den Fans besitzt, als Chefcoach zurück und verjüngten den Kader. Michel Periard (zuletzt Frankfurt) und Craig MacDonald (Düsseldorf) sollen zu einer bestimmenden Figur in der Abwehr bzw. im Angriff werden. Dazu kommen die jungen Ex-Heilbronner Marc El-Sayed und Matthias Plachta sowie der aus Kanada zurückgekehrte Toni Ritter, die allesamt in der Vorbereitung viel Eiszeit bekamen. In dieser Woche konnte man zudem die Verpflichtung von Kassels Stürmer Manuel Klinge sowie Krefelds Verteidiger David Cespiva, der den verletzten Sven Butenschön ersetzen soll, verkünden. Die Top-Verpflichtung ist zweifelsohne der 24-jährige Nationalverteidiger Robert Dietrich, AHL-Rückkehrer und einer der diesjährigen WM-Helden, der im Übrigen zusammen mit den Straubing Tigers 2006 den Aufstieg in die DEL feierte.
Das Ziel: Nach mehreren vergeblichen Versuchen und dem enttäuschenden Abschneiden in der vergangenen Spielzeit will man eigentlich dieses Mal nach 2007 wieder an der Meisterschaft schnuppern. Die Adler geben sich jedoch vor Saisonstart ungewohnt zurückhaltend und wollen die Erwartungen der Fans nicht schon im Vorfeld zu hoch schrauben. Daher sagt auch Mannheims Trainer: „Erfolg ist für mich in diesem Jahr, wenn die Mannschaft am Ende jedes Abends 100 Prozent gegeben hat und die Zuschauer sagen: Das war ein gutes Spiel.“
Die Bilanz gegen Straubing: Sieben Duelle, sieben Siege: Die Bilanz der Adler gegen Straubing ist beinahe makellos. Nur in der vergangenen Saison gab man ein einziges Mal einen Punkt ab, als man die Tigers erst im Penaltyschießen bezwingen konnte.
Aufstellung: Brathwaite – Pollock, Periard; Scalzo, Dietrich; Cespiva, Mapes; Reul – King, Papineau, Arendt; Klinge, Methot, Seidenberg; Robinson, MacDonald, Kink; Mauer, Ritter, El-Sayed; Plachta;
Ausfälle: Sven Butenschön (Kreuzbandriss – fällt mehrere Monate aus).