Hinter den Topteams Mannheim und Berlin dürfte ein enger Kampf entbrennen
Erst acht Tage vor Saisonstart stand fest, dass die DEL in der Saison 2010/11 mit nur noch 14 Mannschaften aufläuft.
Erst da war der Rechtsstreit zwischen der Liga und den Kassel Huskies zugunsten der DEL entschieden. Die Huskies wollten sich auf billige Art und Weise mit einer Insolvenz ihrer Schulden entledigen und dann wieder ganz normal am Spielbetrieb teilnehmen. Dies widerspricht den Regularien der Liga. Am Ende bekam die DEL vor Gericht recht und der Lizenzentzug der Hessen wurde bestätigt. Zuvor strichen im Sommer schon die Frankurt Lions aufgrund jahrelanger Misswirtschaft die Segel.
Nun freilich kann endlich wieder der Sport regieren und wie so oft gelten Mannheim und Berlin als die großen Favoriten. Auch für Tigers- Trainer Jürgen Rumrich: „Mannheim war zwar in den vergangenen Jahren oft favorisiert und hat dann enttäuscht, aber in dieser Saison könnte es passen. Sie haben gute Transfers getätigt, einen erfahrenen neuen Trainer. Mit dieser Kombination sind sie das Team, das zu schlagen ist.“ Die Adler sind mit acht Millionen Euro Etat auch der Krösus der Liga, das ist genau doppelt so viel, wie die Tigers ausgeben. Berlin strebt einen leichten Umbruch an und setzt wie immer auf besonders viele deutsche Spieler. Aufgrund der freien Ausländerlizenzen und dem Überangebot an Spielern sind die Eisbären aber jederzeit in der Lage, noch nachzurüsten.
Hinter den vermeintlichen Topteams dürfte ein spannender und enger Kampf entbrennen. Egal ob die enorm verstärkten Hamburger, die abgespeckten Düsseldorfer, die umgebauten Kölner, die finanzstarken Ingolstädter, die Überraschungsteams der Vorsaison wie Wolfsburg oder Nürnberg, der deutsche Meister Hannover, der deutsche Vizemeister Augsburg – sie alle können zwischen Platz drei und zehn landen. Am Ende dürften Nuancen entscheiden. Aber das diese Teams als erste Anwärter auf die Top-Ten gelten, heißt nicht, dass der Rest chancenlos ist. Iserlohn, Aufsteiger München und Krefeld sind alles andere als Kanonenfutter.
Tja, und dann gibt es natürlich noch die Straubing Tigers, die im fünften DEL-Jahr erstmals in die Playoffs und damit unter die Top- Ten wollen. Alles andere als ein aussichtsloses Unterfangen. Denn es mussten zwar nur vier Teams (Köln, Düsseldorf, Berlin und Krefeld) ihren Etat zurückfahren, aber die Unterschiede im Mittelfeld der Liga werden kleiner. So sind zwar die Tigers mit ihrem Vier-Millionen- Euro-Etat, immer noch das „viertärmste“ Team der Liga, aber man hat sich kontinuierlich nach oben entwickelt.
So blieben in insgesamt wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Transfers mit dem berühmten „Hallo- Effekt“ aus. Die AHL und das europäische Ausland waren die Hauptjagdgründe der DEL-Manager, vereinzelt auch die ECHL. Aber auch durch das Aus in Frankfurt und Kassel sind immer noch zahlreiche Spieler – sowohl mit deutschem wie auch ausländischem Pass – auf dem Markt und die Transferaktivitäten dürften sich noch einige Zeit
hinziehen; gerade nach dem Saisonstart, wenn die ersten Verletzten oder ein schlechter Start zu beklagen
sind.
Als Nummer zwei hinter Fußball hat sich die DEL mittlerweile ohnehin etabliert, vor Basketball und Handball. Egal, ob es sich um Gruppenumsatz, Zuschauerzahlen, Hallenkapazitäten, Infrastruktur handelt. In allen relevanten Kriterien steht man auf Platz zwei. Lediglich in Sachen Free-TV-Präsenz haben die Konkurrenten die Nase vorn. Auch vom Niveau der Liga her kann man sich im europäischen Vergleich durchaus sehen lassen. Das haben nicht zuletzt die Auftritte von Berlin und Mannheim bei der European Trophy im August gezeigt. Gegen Spitzenclubs aus Schweden, Finnland, Österreich, der Schweiz und Tschechien zeigten sich die DEL-Vertreter stets konkurrenzfähig und auf Augenhöhe. Ein gutes Zeichen, auch wenn man das Turnier aufgrund der frühen Saisonphase nicht überbewerten darf.
Nun fiebert man aber dem DEL Start entgegen und freut sich auf eine spannende Saison auf dem Eis. Denn im Eishockey ist alles möglich, das hat die Vorjahressaison mit dem Finale Hannover gegen Augsburg gezeigt. The coolest game on earth is back in den Eisstadien Deutschlands.
Grußwort von OB Pannermayr
Am 3. September ist es wieder soweit: Die neue DEL-Saison beginnt für die Mannschaft der Tigers mit der Auftaktbegegnung gegen die Krefeld Pinguine. Sowohl die Eishockey- Cracks der Tigers als auch die Fans fiebern diesem Datum bereits gespannt entgegen.
Schon seit Jahrzehnten hat Eishockey bei uns in Straubing einen enorm hohen Stellenwert. Seit dem Aufstieg in die DEL 2006 hat das Ansehen des Eishockeysports und auch das Zuschauerinteresse in Straubing nochmals beträchtlich zugenommen. Straubing und Eishockey sind gewissermaßen zu einem Erfolgsduo geworden. Deutschlandweit ist Straubing mittlerweile als sympathische Eishockeystadt bekannt, die Mannschaft sowie die Fans erfreuen sich in der DEL eines hervorragenden Rufs.
Nach der wirtschaftlich erfolgreichen Saison 2009/10 starten die Tigers hoch motiviert in ihre fünfte DEL-Spielzeit. Dabei freut es mich besonders, dass der Club mit einem soliden Fundament und einem hervorragenden Umfeld ausgestattet ist. Die Trainingsbedingungen sind optimal und das Eisstadion „Am Pulverturm“ ist ein wahres Schmuckstück geworden. Meinen Respekt und meine Anerkennung möchte ich diesbezüglich der Geschäftsführung, den Gesellschaftern und ebenso den Sponsoren aussprechen. Großer Dank gilt aber vor allem auch den Fans, die ihrer Mannschaft in den letzten Jahren immer großartige Unterstützung haben zukommen lassen.
Die Tigers verfügen in der neuen Saison über eine starke Mannschaft. Sogar mehrere Nationalspieler gehören dem Kader an. Die Erwartungen sind deshalb enorm hoch und es besteht nach Expertenmeinung die berechtigte Hoffnung, dass die Mannschaft erstmals die Playoffs erreicht. Ich drücke beide Daumen, dass dieses Ziel realisiert wird. Es erwartet uns auf jeden Fall wieder erstklassiger Eishockeysport. Ich wünsche der Mannschaft und den vielen treuen Fans viel Erfolg und eine großartige Saison 2010/11.
Ihr Oberbürgermeister
Markus Pannermayr
Keine Spielsperre bei Spieldauerdisziplinarstrafen – Playoff-Modus bleibt gleich
(wel) Neue Saison, neue Regeln: So heißt es fast in jedem Jahr. Allerdings wurden zur 17. DEL-Spielzeit nur geringe Änderungen beschlossen, die Sperren bei Spieldauerstrafen und die Anzeige der Spielzeit betreffen. Die angedachte Reduzierung der Spieler auf dem Spielberichtsbogen sowie eine Änderung beim Penaltyschießen wurden nicht umgesetzt, auch der Playoff-Modus bleibt gleich.
Playoff-Modus: Die Pre-Playoffs, von der DEL selbst 1. Playoff- Runde genannt, starten am 16. März im Modus „best of three“. Vom Viertelfinale bis zum Finale wird nach dem Modus „best of five“ gespielt. Grund hierfür sind die Entwicklungen bei den Hallenbelegungen und der frühe WM-Start. Dadurch konnten auch zusätzliche ungeliebte Dienstagsspiele in der Hauptrunde vermieden werden.
Keine Spielsperre bei Spieldauerdisziplinarstrafen: Spieler, die eine Spieldauerstrafe erhalten, sind nur für den Rest des aktuellen Spiels ausgeschlossen und im nächsten Spiel wieder spielberechtigt. Damit folgt man dem Regelbuch der IIHF, das besagt, dass nur bei Matchstrafen Spielsperren ausgesprochen werden. Bisher waren Spieler nach einer Spieldauerstrafe für ein Spiel gesperrt. Die Regel war in den Neunzigerjahren eingeführt worden, als sich die Massenschlägereien auf dem Eis häuften. „Die Spiele sind nun nicht mehr so brutal. Außerdem ist die Regelauslegung härter. Schon bei einem hohen Stock mit Verletzungsfolge kann man sich eine Spieldauerstrafe einhandeln“, erklärt Jörg von Ameln, zuständig für den Spielbetrieb bei der DEL. „Für besonders brutale Fälle gibt es die Matchstrafe, bei der wir dann die Möglichkeit haben, Sperren bis zu 16 Spielen auszusprechen.“ Spielsperren gibt es aber dennoch – und zwar analog zur zehnminütigen Disziplinarstrafe: Nach der dritten muss der betreffende Spieler ein Spiel pausieren, in den Playoffs bereits nach der zweiten. Erhält ein Spieler im letzten Hauptrundenspiel die dritte Spieldauerstrafe, ist er im ersten Playoff-Spiel gesperrt.
Spielzeit läuft rückwärts: Wie bei der WM werden ab sofort die Uhren in den Stadion wieder rückwärts laufen. Damit folgt man ebenfalls den IIHF-Regularien. Von Ameln: „Für die Zuschauer ist es einfacher, wenn sie sehen, wie lange noch zu spielen ist.“
Änderungen beim Abosender Sky: Neue Übertragungszeiten am Freitag und Sonntag: Sendebeginn am Freitag ist um 20.15 Uhr (Spielbeginn 20.20 Uhr) und am Sonntag um 19 Uhr (Spielbeginn um 19.05 Uhr). Ein Live-Spiel am Donnerstag gibt es nicht mehr.
Aktuelle Berichte von mehreren Spielen am Abend: Aus insgesamt sieben Stadien der Liga kann Sky aktuelle Spielbilder beziehen und in die Live-Sendung einbauen. Der spätere Spielbeginn als in den anderen Stadien ermöglicht dies. Mehr Alternativen bei der Spielziehung: Durch den Freitagstermin gibt es mehr Möglichkeiten zur Auswahl eines Live-Spiels.
Auch nach der vergangenen Saison verließen viele Persönlichkeiten und sogar zwei Clubs die DEL.
Nach fünf Jahren kehrt Rick Looker der Liga den Rücken. Er war der erste ausländische Profireferee in
der DEL.
Mit den Frankfurt Lions und den Kassel Huskies verliert die Liga zwei Clubs. Erst nach Saison-Ende gingen die Verantwortlichen in Kassel und Frankfurt mit der schlimmen Situation an die Öffentlichkeit.
Als Meistertrainer verabschiedete sich Hans Zach im April von der DEL. Einen schöneren Abschied für
den Alpenvulkan nach 25 Jahren im Traineramt – erst im Nachwuchs, dann in der DEL und der Schweiz, als Bundestrainer und schließlich wieder in der DEL – hätte es wohl nicht geben können.
Neben Zach war es auch für einige Spieler die letzte (oder zumindest vorübergehend) letzte Saison in der DEL: Die Urgesteine Steve Walker (Berlin, zehn Jahre DEL), Steve Junker (Augsburg, neun Jahre) oder Glen Goodall (Ingolstadt, acht Jahre) haben ihre Karriere beendet.
Lee Goren ist erst seit gut einem Monat in Straubing und doch schon omnipräsent und nicht mehr wegzudenken
Hier herzt er Karl Stewart, dort diskutiert er mit Derek Hahn, im nächsten Augenblick gibt er ein TV-Interview
und dann steht noch ein bisschen Smalltalk mit den Fans auf dem Programm. Lee Goren ist erst seit gut einem Monat in Straubing und doch schon omnipräsent und nicht mehr wegzudenken. Die Szenen nach dem letzten Vorbereitungsspiel der Tigers am vergangenen Sonntag verdeutlichen dies.
„Wir haben schon die Hoffnung gehabt, dass wir mit ihm auch einen Leader bekommen. Vieles sprach dafür“, so der Sportliche Leiter Jürgen Pfundtner. Neben den Informationen, die man eingeholt hat, vor allen natürlich seine Vita: Schwedischer Meister mit Färjestad 2009 zum Beispiel - das wird man nicht im Vorbeigehen. Oder wie es Jürgen Pfundtner ausdrückt: „Wer mit Färjestad in Schweden die Meisterschaft gewinnt und für Bern in der Schweiz die Playoffs spielt, der ist für Straubing allemal eine Verstärkung.“
„In Schweden muss man außergewöhnliche Leistungen bieten“
Schweden war zugleich die erste Auslandsstation des 82-maligen NHL-Spielers. Zunächst war der heute 32-jährige Goren bei Skelleftea und Färjestad höchst erfolgreich, ehe ein Knick kam. „Wir hatten zunächst ein tolles Team, haben offensives und erfolgreiches Hockey gespielt. Im zweiten Jahr wurde es schwierig, wir haben einige Spieler verloren, das System umgestellt. Dadurch hat auch mein Spiel gelitten und ich bin in die Kritik geraten. Denn in Schweden ist der Druck auf einen Ausländer wirklich sehr hoch, man muss dort außergewöhnliche Leistungen bieten, um akzeptiert zu werden“, sagt Goren selbst.
„Ich freue mich auf das, was hier vor mir liegt“
So kam er über Tampere in Finnland nach Bern und beendete dort die Saison. Als einer von fünf Ausländern - bei nur vier pro Spiel erlaubten - musste er aber hart um seinen Platz kämpfen und kam nicht in jedem Spiel zum Einsatz. „Die vergangene Saison war sicher nicht einfach. Aber das ist vorbei und ich schaue nicht zurück. Im Gegenteil: Ich blicke nach vorne und freue mich auf das, was hier vor mir liegt“, ist Goren bereits wieder voller Motivation. Dass man einen Spieler seiner Klasse, der in seinen AHL-Jahren stets um die 30 Treffer pro Saison erzielt hat, überhaupt nach Straubing locken konnte, lag eben auch an dem schwierigen vergangenen Jahr, in dem er sich auch mit einem Färjestad-Anhänger via Facebook angelegt hatte. „Das war eine unglückliche Situation. Ich kann damit umgehen, wenn ich für meine Leistung kritisiert werde, doch der Typ hat meine Familie angegriffen. Aber ich habe meine Lektion gelernt, ich bin gereift.“
Pünktlich zum Saisonstart hat nun die Familie Zuwachs bekommen, am vergangenen Freitag brachte seine Frau in Straubing das zweite Kind, einen Sohn, zur Welt. „Jetzt habe ich den Kopf wieder richtig frei für den Saisonstart“, freut sich der Angreifer, der sich in Straubing bereits gut eingelebt hat. „Die Stadt ist überschaubar, hübsch, mit Lebensqualität. Es ist wichtig, dass sich die Familie auch wohlfühlt und es ihr gefällt.“
Kein Wunder, dass man in einen Spieler seiner Klasse auch gewisse Erwartungen hat: „Seine Referenzen sind erstklassig, seine Europa-Erfahrung macht ihn für uns besonders wertvoll und aufgrund seiner körperlichen Präsenz wird er unserer Mannschaft auch auswärts weiterhelfen“, sagt Pfundtner. Denn nicht nur neben dem Eis hat sich der Kanadier bereits einen Namen gemacht, auch auf dem Eis ist er an der Seite von Derek Hahn und Carl Corazzini schon unverzichtbar. Sein gefährlicher Schuss und sein Körperspiel zeichnen ihn aus, vom Puck ist er kaum zu trennen, auch wenn er nicht der beste und schnellste Schlittschuhläufer ist. Gemeinsam mit dem schnellen, kleinen, wendigen Italo-Kanadier Corazzini und einem spielstarken Center Hahn, der beide mit Pässen füttert, scheint die Kombination zu passen. „Das Spielen mit hoher Intensität liebe ich, das ist mein Spiel. Körpereinsatz, den Gegner einschränken, aber auch selbst in der Offensive helfen – so spiele ich“, sagt Goren. Und ergänzt: „Ich liebe das Spiel in den Ecken, die Zweikämpfe an der Bande und das Gerangel vor dem Tor. Genau in diesen Situationen kann ich meine körperlichen Vorteile ausspielen.“
„Hier wird offensiver gespielt. Das kommt mir entgegen“
Bei 95 Kilo Kampfgewicht und einer Größe von 191 Zentimetern geht Goren auch keinem Fight aus dem Weg. In der Vorbereitung hat er dies bereits aufblitzen lassen, nun will er es ab Freitag auch in der Saison zeigen. „Wir sind alle froh, dass es jetzt endlich losgeht. Eine Vorbereitung ab Ende Juli ist für Kanadier ungewöhnlich. Wir haben das Talent im Team, um unser Ziel, die Playoffs zu erreichen. Und das wollen wir von Anfang an zeigen.“ Auch Goren selbst, der glaubt, dass ihm der Stil in der DEL entgegenkommt. „Die Unterschiede im Niveau zwischen Schweden, Finnland, der Schweiz und Deutschland sind nicht groß. Auch wenn ich nach einigen Testspielen natürlich noch nicht allzu viel sagen kann. Aber hier wird wie in der Schweiz offensiver als in Schweden oder Finnland gespielt. Das kommt mir entgegen.“ Darauf hoffen auch die Fans, damit der Angreifer, der gleich zum Assistenz-Kapitän bestimmt wurde, im Laufe der Saison tatsächlich aus dem Kader nicht mehr wegzudenken ist.
Tobias Welck
Trainerduo Jürgen Rumrich und Jason Dunham blickt optimistisch auf ihre zweite gemeinsame Saison
Zum zweiten Mal beginnt für Tigers-Chefcoach Jürgen Rumrich und Co-Trainer Jason Dunham am Freitag eine gemeinsame Saison hinter der Straubinger Bande. Ob ihr zweites Jahr wirklich das schwierigste wird und wie ihr Fazit über die Vorbereitung ausfällt, erzählen sie im folgenden Interview:
Morgen beginnt die neue Saison. Wie fällt Ihr Fazit über die vierwöchige Vorbereitung aus?
Jürgen Rumrich: „In meinen Augen war die Vorbereitung wirklich gut, zumal wir den Gäuboden- Volksfestpokal gewonnen haben und zum Saisonstart keine Verletzten haben werden. Uns fehlt allerdings noch die Konstanz, verschiedene Abläufe sind noch nicht so eingespielt. Man hat gemerkt, dass wir viele neue Spieler haben und das Team sich erst zusammenfinden muss. Aber ich bin zuversichtlich und freue mich, dass es endlich los geht.“ „Wir müssen den Zusammenhalt untereinander noch weiter stärken“
Von welchem der Neuzugänge waren Sie am positiv überrascht?
Rumrich: „Da würde ich keinen herausheben. Für uns ist wichtig, dass alle von Beginn an gut mitziehen und ihren Job ernst nehmen. Und das machen sie.“
Jason Dunham: „Wir wissen, dass wir eine gute Mannschaft haben. Da gehören sowohl die neuen als auch die alten Spieler dazu. Jetzt müssen wir schauen, dass wir in jedem Spiel als Team auftreten und den Zusammenhalt untereinander noch weiter stärken.“
Aber gerade die erste Reihe um die drei Neuverpflichtungen Corazzini, Goren und Hahn scheint sich schnell gefunden zu haben und ließ bisher in jedem Spiel ihr Können aufblitzen.
Rumrich: „Ich mag solche Begriffe wie ’Erste Reihe‘ nicht. Jeder Spieler hat in unserem Team seine Aufgabe und die muss er erfüllen, egal ob das im ersten oder vierten Block ist. Aber man hat in der Vorbereitung natürlich gesehen, dass wir gerade im Angriff mehr Talent im Kader haben.“ „Pätzold ist ganz klar unsere Nummer Eins und das weiß er auch“
Mit Nationalkeeper Dimitri Pätzold hat man auch im Tor einen Mann mit großem Potenzial, der bei seinem Ex-Club Ingolstadt allerdings Schwierigkeiten hatte. War es auch in seinem Sinne, dass er sich mit Backup Jan Guryca in den Vorbereitungsspielen abwechselte?
Rumrich: „Das war mit Dimitri von Anfang an so abgesprochen und er hat damit absolut kein Problem. Ganz im Gegenteil. Im vergangenen Jahr hatte Ingolstadt in der Vorbereitung keinen Backup und er musste vor Saisonbeginn schon rund zehn Spiele machen. Deshalb war er eigentlich ganz froh, dass er sich bei uns mit Jan abwechseln konnte. Aber für die Saison ist ganz klar Dimitri unsere Nummer Eins und das weiß er auch.“
Treffen Sie Entscheidungen bei der Aufstellung gemeinsam?
Rumrich: „Natürlich reden wir darüber, weil mir Jasons Meinung sehr wichtig ist. Aber letztlich treffe ich dann die Entscheidung.“
Dunham (lacht): „Jürgen ist der Chef. Was er sagt, wird gemacht.“
Wie sieht generell die Arbeitsteilung zwischen Ihnen beiden und dem neuen Torwarttrainer Bernie Engelbrecht aus?
Rumrich: „Ich übernehme während der Spiele die Stürmer und Jason kümmert sich um die Verteidigung. Bei den Heimspielen ist zudem Bernie dabei. Er sitzt allerdings auf der Tribüne, weil man dort einen viel besseren Überblick über das Geschehen auf dem Eis hat.“ „Wir wissen, dass die Erwartungen heuer sehr hoch sind“
Kann man von Routine sprechen, die sich bei der Organisation einer Saison einstellt?
Rumrich: „Routine würde ich es nicht nennen. Gewisse Abläufe sind im zweiten Jahr aber natürlich klarer. Wir haben auch aus der Vergangenheit gelernt und Kleinigkeiten schon in der Vorbereitung umgestellt. Es ist enorm wichtig, dass die Mannschaft so schnell es geht zusammenwächst. Deshalb waren wir als Teambuildingmaßnahme beim Sommerbiathlon im Bayerischen Wald, nachdem wir diesen Aspekt in der vergangenen Saison etwas vernachlässigt hatten. Im nächsten Jahr werden wir uns wieder so etwas einfallen
lassen.“
Es heißt, das zweite Jahr ist das schwierigste. Spüren Sie den enormen Druck von außen?
Dunham: „Da brauchen wir wirklich keinen Druck von anderen Leuten. Wir waren beide früher selbst Spieler und haben uns den größten Druck gemacht. Und so ist es jetzt immer noch. Diesen Ehrgeiz legst du als Sportler nie ab, egal ob du Spieler oder Trainer bist.“
Rumrich: „Nichtsdestotrotz wissen wir, dass die Erwartungen heuer sehr hoch sind. Jeder geht davon aus, dass wir die Playoffs erreichen und das ist auch unser Ziel. Die Jungs brauchen aber Zeit, bis sie sich eingespielt haben, die Laufwege der anderen kennen und wissen, wie der eine oder andere in bestimmten Situationen reagiert. Daher kann ich nur immer wieder an die Leute appellieren, geduldig zu sein.“
Interview: Michaela Retzer
Sturm vielversprechend – Verteidigung muss sich noch finden – Überzahlspiel variantenreicher
(wel) „Wir sind alle froh, dass es endlich los geht.“ Michael Bakos sprachs nach dem letzten Testspiel am Sonntag gegen München – und es spiegelt die Stimmungslage im Team und im Umfeld der Straubing Tigers wider.
Alle sind gespannt und heiß auf den Saisonstart, um zu wissen, wo man wirklich steht und wie realistisch das Saisonziel „Platz zehn“ am Ende sein wird. Kein Zweifel, die Vorbereitung hat Lust gemacht auf mehr. Das Heimturnier um den Gäubodenvolksfest-Cup wollte man unbedingt gewinnen, dementsprechend bot man bei den Siegen gegen die DEL-Konkurrenten Nürnberg und Augsburg die besten Leistungen in der Pre-Season. In den Spielen gegen München (Niederlage auswärts, Penalty-Niederlage zu Hause) und gegen Wien (Unentschieden zu Hause, Niederlage auswärts) wurden aber auch die Mängel offen gelegt. Diese betreffen derzeit noch in erster Linie die Abstimmung in der Abwehr, die fast komplett neu formiert wurde. „Die Spieler müssen sich einfach noch aneinander gewöhnen, Laufwege und Stellungsspiel abstimmen“, weiß Trainer Jürgen Rumrich.
Kampf umVerteidigerplätze
Angesichts von acht Verteidigern zeigt sich schon, dass der Kampf um die Plätze hart wird, wenn alle fit sind. Denn da Neuzugang Florian Ondruschka einer der Gewinner der Vorbereitung ist und häufig sogar in der ersten Überzahl zum Einsatz kommt, muss Vorjahres-Stammspieler Stefan Wilhelm schon hart kämpfen, um zu den Top-Sechs- Verteidigern zu gehören.
In Sachen Aufbau und Schussstärke wissen die Abwehrspieler bisher durchaus zu gefallen, bei Druck in der eigenen Zone hingegen gerät man zu häufig noch ins Schlingern. „Ich bin mir sicher, wir können das in den nächsten Wochen abstellen“, hofft Jürgen Rumrich. Angesichts von drei aktuellen Nationalspielern
(Pätzold, Bakos und Osterloh), einem Ehemaligen (Draxinger, dessen Knie bisher hält, wenn auch noch Schmerzen vorhanden sind, was aber laut Ärzten ganz normal ist) und zwei Perspektiv- Spielern (Ondruschka und Brückner), sollte das zu schaffen sein. Zumal auch Dimitri Pätzold bisher als sicherer Rückhalt im Tor zu gefallen weiß.
Sturmreihen sind klar
Auch im Sturm kristallisieren sich die Formationen schon klar heraus. Nach einigen Experimenten am Beginn
der Vorbereitungszeit konnten sich die Topblöcke zuletzt einspielen. Gerade das Trio Corazzini, Hahn, Goren dürfte den Fans noch einige Freude bereiten. Der schnelle und torgefährliche Ex-Ingolstädter Corazzini, der spielintelligente Hahn, der stets den Kopf oben und die Übersicht behält und der kantige Goren, der zwar nicht der beste Schlittschuhläufer ist, der aber kaum vom Puck zu trennen ist, immer dort hingeht, wo es weh tut und einen gefährlichen Schuss hat: Diese Kombination ist viel versprechend, aber die Wahrheit kommt eben erst jetzt zum Saisonstart. Das gilt auch für den zweiten Block, in dem Probespieler Karl Stewart
in den Testspielen durchaus zu gefallen wusste, dies aber nun bestätigen muss. Er hält deutlich besser die Position als im Vorjahr, hat sich im Kurzpass verbessert. Nun muss er aber beweisen, dass seine Spielintelligenz
und technischen Fähigkeiten auch ausreichen. Mit Mapletoft und Trew kann dann auch diese Reihe
zum Faktor werden.
Das gilt auch für Block drei, in dem Sandro Schönberger ebenfalls zu den Siegern der Vorbereitung gehört und er mit Dustin Whitecotton und Eric Meloche gespielt hat. Für Meloche ist die Rolle somit eine andere als im Vorjahr, eher harte Arbeit als Torgefahr ist gefragt. Auch Reihe vier mit Baindl, Forster und Röthke (oder einem Spieler der vorderen Reihen, falls Röthke nach seiner Verletzung wieder in die zweite oder dritte Reihe kommt) kann sich im DEL-Vergleich durchaus sehen lassen, auch wenn hier ein erfahrener Center für die jungen Spieler dem Team sicher gut zu Gesicht stehen würde.
Wie gut ist das Powerplay?
Will man am Ende tatsächlich unter den ersten Zehn landen, müssen vor allem zwei Mankos der Vorsaison
abgestellt werden: Die Special Teams, vor allem das Überzahl, muss endlich zum Faktor werden und es müssen mehr Treffer erzielt werden. Beides hat in Ansätzen in der Vorbereitung bereits geklappt. Im Powerplay wirkte man variantenreicher, auch wenn zum Ende der Testspiele die Gefahr doch merklich nachließ. „Da hat mir das nicht mehr so gut gefallen“, sagt Trainer Rumrich.
Und auch dass man am letzten Testspielwochenende nur einen Treffer erzielen konnte, erinnerte etwas an die Vorsaison. „Aber es ist halt Vorbereitung. Das darf man alles nicht überbewerten“, relativiert Lee Goren. „Die Ansätze und das Talent im Team sind für die Playoffs sicher vorhanden“, weiß der erfahrene Bakos. „Aber wir müssen es nun auf dem Eis auch alles zusammenbringen.“ Und auch das nötige Quäntchen Glück haben, denn Verletzungen dürfen nicht allzu viele dazwischen kommen. So gibt es zum Beispiel nicht viele Spieler im Kader, die problemlos in Reihe eins aufrücken und dort das Tempo mitgehen können. Aber daran denkt momentan niemand: Man hat die Playoffs im Visier und eine Mannschaft zusammen, die dies auch erreichen kann. „Aber jeder Spieler ist gefordert, dies in jedem Spiel auch zu beweisen“, weiß Bakos. „Denn ein Selbstläufer wird es nicht.“
Larry Mitchell (43 Jahre): seit 2007 Trainer der Augsburger Panther: „Die Tigers Haben sich im Vergleich zum
Vorjahr stark verbessert und einige Stürmer geholt, die Spiele alleine entscheiden können. Straubing ist wie Augsburg einer der kleineren DEL-Vereine. Nichtsdestotrotz haben alle Teams das gleiche Ziel, die Playoffs, und das scheint in dieser Saison bei Straubing sehr realistisch.“
Greg Thomson (47), seit 2008 Trainer des ERC Ingolstadt:
„Straubing hat bei seinem Vorbereitungsturnier sehr gut gespielt, war richtig gut in Überzahl und hat
Deutlich mehr Qualität im Kader als in der Vergangenheit. Es freut mich vor allem für Michael Bakos, Tobias Draxinger und Dimitri Pätzold, die drei ehemaligen Ingolstädter Spieler, dass sie bei den Tigers gut zurechtkommen und sich wohl fühlen.“
Pat Cortina (45), seit 2008 Trainer des EHC München:
„Die Tigers-Mannschaft arbeitet immer hart und beweist eine gute Moral. Einige Spieler
Sind schon lange im Team und haben viel Erfahrung. Außerdem ist es für die gegnerischen
Clubs schwer, in der Straubinger Eishalle zu spielen. Daher glaube ich, dass sich die Tigers heuer besser platzieren können als bisher.“
Andreas Brockmann (43), seit 2008 Trainer der Thomas Sabo Ice Tigers:
„Man hat beim Gäuboden- Volksfestpokal ganz klar gesehen, dass sich die Tigers sehr, sehr gut verstärkt
haben. Gerade in der Offensiv ist im Vergleich zum letzten Jahr sehr viel Potenzial vorhanden. Das Ziel Platz zehn, das vor der Saison ausgegeben wurde, kann mit diesem Team sicherlich erreicht werden.“
Interviews: Michaela Retzer
Der Sportliche Leiter der Straubing Tigers, Jürgen Pfundtner, blickt auf die kommende Spielzeit voraus
Jürgen Pfundtner, Sportlicher Leiter der Tigers, sprach kurz vor dem Saisonstart über den Fall Kassel, das deutsche Eishockey generell und natürlich auch seine Erwartungen an die Tigers-Spieler sowie ihre Trainer in dieser Saison.
Umbruch bei den Tigers: Das heißt der Sommer war für den sportlichen Leiter vermutlich alles andere als erholsam.
Jürgen Pfundtner: „Der Umbruch begann eigentlich schon in der vergangenen Saison. Es sind viele Entscheidungen schon im Winter gefallen, was die Arbeit im Sommer erheblich erleichtert hat. Trotzdem blieb natürlich auch in den vergangenen Monaten noch genügend zu tun.“
Die größte Änderung gab es dabei im Tor mit der Verpflichtung von Dimitri Pätzold. Wie kam es zu dieser
Entscheidung?
Pfundtner: „Wir haben mitbekommen, dass es für Dimitri in Ingolstadt nicht so gut lief. Deshalb haben wir frühzeitig Kontakt aufgenommen und unser Interesse angemeldet. Im Laufe der Monate hat sich einiges konkretisiert. Die Chance seiner Verpflichtung haben wir genutzt.“ „Entscheidend wird sein, wie schnell sich die Verteidiger finden“
Die Verpflichtung von Michael Bakos lief ähnlich frühzeitig ab. Was war hierfür die Motivation?
Pfundtner: „Wie sie schon richtig sagen, waren die Voraussetzungen ähnlich. Auch Michael Bakos war nach unseren Informationen mit seiner Situation in Ingolstadt nicht mehr zufrieden und ist auf dem Markt angeboten worden. Er ist ein etablierter deutscher Spieler in der DEL, der immer auch Führungsaufgaben teamintern übernommen hat. Dies soll er auch bei uns tun.“
Was ist für Sie der Schlüssel zum Erfolg in dieser Saison?
Pfundtner: „Entscheidend wird sein, wie schnell sich die Verteidigung zusammenfindet. Nach vorne klappt das Spiel schon ganz gut. Wenn wir hinten unter Druck geraten, passieren noch zu viele Fehler. Aber das Potenzial ist da, denn auch von der blauen Linie haben wir gute Schützen. Ich denke da zum Beispiel an Florian Ondruschka, der zudem läuferisch und technisch gut ist und schon länger ein Wunschkandidat von mir war. Wir sind defensiv sicher nicht schlechter als letztes Jahr, aber dieser Mannschaftsteil wird am längsten brauchen, um sich einzuspielen.“
Lautet angesichts der teilweise hochkarätigen Neuzugänge diese Saison das Ziel offensiv Platz zehn?
Pfundtner: „Platz zehn? Den nehmen wir gerne und natürlich auch jeden Platz darüber. Aber es wird viel davon abhängen, ob wir verletzungsfrei durch die Saison kommen, denn das Erreichen der Playoffs ist nicht planbar. In der Vorbereitung waren viele Ansätze zu erkennen, die positiv stimmen und ich denke, wir können optimistisch in die Saison gehen. Vieles wird auch davon abhängen, wie schnell sich die Mannschaft findet und wie der Zusammenhalt innerhalb des Teams in schwierigen Situationen ist.“
Ist im zweiten Jahr der Druck auf das Trainergespann höher?
Pfundtner: „Ich denke, wenn sie Jürgen Rumrich und Jason Dunham diese Frage stellen, werden beide sagen, der Druck ist im Profisport immer hoch. Aber nie so hoch wie der Druck, den sie auf sich selbst ausüben. Ich denke, das trifft die Situation am besten.“
Im Sturm sah es in der Vorbereitung bereits sehr vielversprechend aus. Mit Corazzini, Hahn und Goren hat man in dieser Saison eine richtige erste Reihe.
Pfundtner: „Es sieht so aus. Sofern man Vorbereitungsspiele überhaupt als Maßstab heranziehen kann, denke ich, dass man davon ausgehen kann, dass diese Drei die erste Reihe bilden werden und wir viel Freude mit ihnen haben könnten. Ich hätte jedenfalls nichts dagegen...“
War es Zufall oder Berechnung, dass man in dieser Saison nur Ausländer mit Europaerfahrung im Kader hat? Lassen sich diese vielleicht leichter in den Kader integrieren?
Pfundtner: „Die Integration von europa-erfahrenen Spielern ist sicher ein Aspekt, den sollte man aber nicht überbewerten. Am Ende müssen aber mehrere Faktoren zusammenkommen, bis es zu einer Vertragsunterschrift eines Spielers kommt.“
Mit Karl Stewart, der schon in der vergangenen Spielzeit für Straubing aufgelaufen war, wurde ein zweimonatiger Probevertrag vereinbart. Gibt es schon eine Tendenz?
Pfundtner: „Bisher ist noch keine Entscheidung getroffen worden. Man muss die ersten Spiele einfach abwarten. Er hat letztes Jahr auch eine gute Vorbereitung gespielt und anschließend lief es nicht so gut. Wir gehen das Risiko ein, dass eine Lizenz vielleicht weg ist. Er zeigt gute Ansätze und hat schon schöne Tore geschossen. Was zählt, ist aber der Punktspielbetrieb.“
Wie denken Sie zum momentanen Zeitpunkt über etwaige Nachverpflichtungen?
Pfundtner: „Wir werden nicht einfach einen Spieler holen, nur weil wir noch eine Lizenz übrig haben. Wir sind in einer guten Situation und werden uns sehr genau überlegen, ob und wann wir noch einmal am Markt tätig werden. Dabei hängt viel von den ersten Wochen im Ligaspielbetrieb ab und natürlich auch das ’Okay‘ der Gesellschafter, einen weiteren Etat zur Verfügung zu stellen. Im Moment gibt es diesbezüglich keinerlei Überlegungen.“
Startet man auch diese Saison bereits wieder sehr frühzeitig, also schon im Herbst, mit den Planungen für die Spielzeit 2011/12?
Pfundtner: „Wir werden auch dieses Jahr keine Zeit verlieren und wieder sehr frühzeitig unsere Planungen
für die darauffolgende Saison vorantreiben.“
„Natürlicher Reinigungsprozess wird sich in der DEL fortsetzen“ Wie sehen Sie – auch angesichts der Insolvenzen in Frankfurt und Kassel – die Lage in der Deutschen Eishockey Liga?
Pfundtner: „Die Sache mit Kassel und Frankfurt sehe ich als einen natürlichen Reinigungsprozess, der sich meiner Meinung nach in den nächsten Jahren in der Liga fortsetzen wird. Es gibt noch einige andere Baustellen in der DEL und man wird sehen, wie sich die Standorte im Einzelnen entwickeln. Ich glaube, man müsste Hellseher sein, um diese Entwicklung vorhersagen zu können. Aber wir werden das Geschehen aufmerksam verfolgen und gleichzeitig darauf achten, dass wir unseren Laden sauber halten.“
Hat nicht generell das deutsche Eishockey Probleme?
Pfundtner: „Tatsächlich ist es so, dass in Deutschland jede andere Sportart neben Fußball mit strukturellen und finanziellen Problemen zu kämpfen hat. Aber man muss z.B. so ehrlich sein und sehen, dass die Situation im deutschen Eishockey organisatorisch immer mehr katastrophale Züge annimmt.“
Könnte Straubing einer der Sieger in diesem Prozess sein?
Pfundtner: „Das würde ich mir wünschen. Aber auch wir profitieren nicht von einer schwächer werdenden DEL und hoffen deshalb, dass sich die Dinge zum Positiven wenden werden. . Aber wie heißt es so schön: Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube!“
Mit Jürgen Pfundtner sprachen
Tobias Welck und Michaela Retzer
Mit Michael Bakos, Sebastian Osterloh und Dimitri Pätzold stehen in dieser Saison drei Nationalspieler im Kader
Athos, Porthos, Aramis – das sind jene Männer, die der Legende nach zur Zeit des französischen Königs Ludwig XIII lebten und für Recht und Ordnung sorgten. Wir kennen sie unter dem Namen „Die drei Musketiere“ und schauen immer´wieder gerne die unzähligen Romanverfilmungen, in denen die Helden für ihr Vaterland kämpfen. Eishockeyspieler sind so etwas wie die modernen Musketiere. Sie sind groß und kräftig, schnell und mutig. Und auch sie kämpfen für ihren Verein und ihre Heimat. Doch so wie damals nur die Besten der Besten in den Kreis der Musketiere aufgenommen wurden, so müssen auch heutzutage Eishockeyspieler herausragende Fähigkeiten besitzen, um in die Nationalmannschaft zu kommen.
Anführer des Abwehrbollwerks
Die Straubing Tigers haben es in dieser Saison geschafft. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte konnten sie nicht nur einen Nationalspieler, sondern gleich drei davon auf einen Schlag an die Donau holen. Bakos, Osterloh und Pätzold heißen Straubings neue „Eishockeymusketiere“, die seit 2005 bzw. 2007 fester Bestandteil der Nationalmannschaft sind und die deutschen Farben seither zusammen bei Weltmeisterschaften und zuletzt Olympia in Vancouver vertraten.
In Straubing sollen die beiden Verteidiger und der Nummer-Eins- Keeper Anführer und Organisatoren eines Abwehrbollwerks sein, das dem Gegner das Fürchten lehrt und ihm kein Durchkommen bietet. Die Beweggründe für ihren Wechsel im Sommer nach Niederbayern hätten allerdings nicht unterschiedlicher sein können. Bakos stammt aus Donauwörth, spielte in seiner nunmehr 14-jährigen Profikarriere (541 DEL-Partien) bisher in Augsburg und Ingolstadt und dazwischen in Mannheim. Der 31-Jährige hielt für sich und zum Wohle seiner Familie nicht nur nach einem Club in der Nähe seiner Heimat Ausschau, sondern will wieder deutlich mehr Verantwortung als zuletzt im Team übernehmen und eine Führungsrolle einnehmen.
Sein Abwehrkollege Osterloh suchte dagegen unfreiwillig nach einem neuen Verein. Nach der Insolvenz der Frankfurt Lions musste ein neuer Arbeitgeber her und Straubing zeigte Interesse. Da der 27-jährige gebürtige Kaufbeurer bereits in den Jahren 2003 und 2004 in der zweiten Liga für die Tigers aktiv war, fiel die Entscheidung trotz anderer Angebote nicht schwer. „Ich hatte hier eine wunderschöne Zeit und habe viele positive Erfahrungen gemacht. Meine Familie und ich wissen, was wir an Straubing haben.“
Und dann ist da noch Dimitri Pätzold, einer der besten deutschen Keeper. Nach einem für ihn persönlich aber äußerst schwierigen Jahr in Ingolstadt wollte er einen Verein finden, der anders als bei den Panthern nicht nach Fehlern sucht, sondern ihm von Beginn an sein vollstes Vertrauen schenkt. Dass er ein Top- Torhüter ist, belegen seine 138 DEL und 146 AHL-Spiele sowie der NHL-Draft 2001 von den San Jose Sharks.
Wer wird D’Artagnan?
Dass irgendwann ein Film über diese drei neuen Straubinger Eishockeycracks gedreht wird, ist eher
unwahrscheinlich. Doch wer weiß, ob sich nicht wie in der Orginalfassung auch zu ihnen irgendwann ein D’Artagnan als viertes Musketier gesellt. Die beiden anderen Tigers- Neuzugänge in der Verteidigung, Florian Ondruschka und Benedikt Brückner, stehen jedenfalls in den Startlöchern. Sie wurden bereits von Bundestrainer Uwe Krupp gesichtet und im Sommer zum Lehrgang nach Füssen eingeladen. Der Sprung in die A-Nationalmannschaft scheint also nicht mehr weit. Für alle geht es zunächst aber um Straubing, die Tigers und die neue Saison und an deren Ende soll das Erreichen der Playoffs stehen. Der Schlüssel zum Erfolg ist dabei der Glaube an sich selbst und seine Mitkämpfer, da sind sie sich einig: „Wir wollen es schaffen und wir werden es schaffen, wenn wir als Team zusammenhalten!“ Einer für alle und alle für einen…
Michaela Retzer
Stürmer Billy Trew und Verteidiger Calvin Elfring sind die beiden Hauptdarsteller im Straubinger Eishockeymärchen
(mir) Es ist der Nachmittag im Anschluss an die Mannschaftspräsentation der Straubing Tigers auf dem Gäuboden-Volksfest. Fast alle Spieler haben das Festzelt bereits verlassen, nur Calvin Elfring und Billy Trew sind noch da, unterhalten sich mit den Fans und wechseln dabei von einem Tisch zum anderen. Kaum einer im Festzelt, der die beiden nicht kennt. Sie sind in Straubing bekannt wie sprichwörtlich „ein bunter Hund“. So mancher Politiker würde neidisch auf die beiden werden – und das sicherlich nicht nur angesichts ihrer Popularität und Beliebtheit, sondern vor allem aufgrund der langen Zeit, in der sich die beiden Eishockeycracks schon „im Amt“ befinden.
„Es war meine letzte Chance“
Es war vor nunmehr zwölf Jahren, als Billy Trew das erste Mal Straubinger Boden unter seinen Füßen hatte. Im Sommer 1999 entschied sich der Stürmer zusammen mit seiner Frau Jennifer für den Sprung nach Europa. Nach einem missglückten Saisonauftakt beim damaligen Zweitliga-Schlusslicht Grefrath und dem baldigen Rückflug nach Kanada ereilte ihn der Anruf des Oberligisten Straubing. „Es war meine letzte Chance. Nach den damaligen Statuten durfte man nur einmal während einer Saison den Verein wechseln. Es musste also klappen“, so der Stürmer rückblickend. Er erinnert sich noch genau an seinen ersten Tag in der Gäubodenstadt: „Ich bin spätabends in Düsseldorf gelandet, dann mit dem Zug nach Straubing und morgens gleich mit zum siegreichen Auswärtsspiel nach Bayreuth.“
Veteranen des DEL-Aufstieges
Es sollte der Auftakt zu einer außergewöhnlichen Erfolgsgeschichte mit vielen kleinen Happy Ends auf
und abseits der Eisfläche werden. Bereits in seiner ersten Saison schaffte der damalige EHC den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Weitere sechs Jahre später folgte der Aufstieg in die DEL, an dem auch Calvin Elfring maßgeblich beteiligt war. Der Verteidiger mit dem Ruf als „Playoff-Monster“ war im Jahr zuvor in die Donaustadt gekommen und kannte seinen neuen Arbeitgeber bereits aus zahlreichen hitzigen
Zweitligapartien zwischen Straubing und seinem Ex-Club Bietigheim-Bissingen. Mittlerweile sind die beiden die einzigen noch verbliebenen Spieler im aktuellen Kader, die den DEL-Aufstieg live miterlebten. „Manchmal kommt es einem vor wie im Traum. Alles hat sich über die Jahre ständig weiterentwickelt, alles ist professioneller geworden. So einen sensationellen Aufstieg gibt es sicher nicht oft im Sport, und ich bin glücklich, ein Teil davon gewesen zu sein“, schwärmt Trew. Der Aufstieg in die DEL war aus sportlicher Sicht der schönste Moment seit ihrer Verpflichtung in Straubing, da sind sie sich einig. Doch in einem Atemzug mit ihm nennen sie noch viele andere Erlebnisse. Ihre Kinder sind in Straubing geboren, gehen mittlerweile in den Kindergarten bzw. ab September in die Schule. Beide fahren jeden Sommer nur für rund vier bis sechs Wochen nach Kanada, denn ihre Heimat ist seit Jahren Niederbayern. „Der Aufenthalt in Kanada ist für uns und vor allem unsere Kinder wie der Italienurlaub für unsere Freunde und Nachbarn in Straubing.“ Es sind die persönlichen Erlebnisse, durch die sie sich mit Straubing so eng verbunden fühlen. Zwar haben beide öfter überlegt, etwas Neues auszuprobieren und den Verein zu verlassen, denn Angebote gab es aufgrund ihrer über Jahre hinweg hervorragenden Leistungen genug, doch Straubing hat sie nie losgelassen. „Die Stadt bietet uns und unseren Familien das, was wir woanders nicht in diesem Maße bekommen würden: Lebensqualität“, meint Trew, und Elfring ergänzt: „Vielleicht hätte man bei einem anderen Club mehr Geld verdient, aber was hat man davon, wenn man sich nicht wohl fühlt?“
Ziele und Zukunftspläne
So hieß und heißt ihr Verein also Straubing. Trews Vertrag läuft bis 2011, Elfring bleibt sicher bis 2012, msie wären dann also seit 13 bzw. acht Jahren bei den Tigers. Dass danach immer noch nicht Schluss ist, hoffen beide. Trew würde gerne über seine aktive Karriere hinaus dem Sport verbunden bleiben, am liebsten in Straubing. Elfring wird mit seiner Familie irgendwann nach Nordamerika zurückgehen. „Für uns wird dann ein neuer Lebensabschnitt ohne Eishockey beginnen.“
Derartige Zukunftspläne stecken jedoch noch ganz hinten in der Schublade, denn zunächst beginnt eine neue Saison mit den Straubing Tigers – und von der haben sie schon ganz konkrete Vorstellungen. „Ich habe in der zweiten Liga alles erreicht. Außerdem sind die Playoffs die beste Zeit des Jahres, da habe ich immer tolle Spiele gemacht. Da ist wohl klar, wie mein Ziel heißt,oder?“ so Elfrings rhetorische Frage, und Trew konkretisiert: „Man hat an Augsburg in der vergangenen Saison gesehen, was möglich ist, wenn man erstmal Platz zehn erreicht hat. Daher ist mein Ziel ganz klar die Meisterschaft.“
Die Geschichte von Straubing und seinen beiden Publikumslieblingen klingt wie ein Märchen, dessen großes Happy End Trew und Elfring schon ganz genau im Hinterkopf haben…