„Wenigstens hat sich bei uns keiner schwerer verletzt“ – Schwache Abwehr
(wel) Ein Abend zum schnell vergessen war das Gastspiel der Straubing Tigers am Freitag in Wien.
Bei der deutlichen 0:4-Niederlagewar man chancenlos und verlor zudem gleich vier (!) Spieler mit Spieldauerstrafen: Calvin Elfring nachhohem Stock mit Verletzungsfolge, Karl Stewart nach einem bösen Bandencheck gegen Wiens Verteidiger Riener, der sich dabei einen Ellbogen- und Oberarmbruch zuzog und noch in der Nacht operiert wurde, Michael Baindl nach einer Keilerei mit Martin Ulmer und Dustin Whitecotton nach einem Check von hinten. Da passte es ins Bild, dass sich auch noch Teile der mitgereisten Fans daneben benahmen, einen Bengalo zündeten und sich Schlägereien lieferten.
„Wir sind schwer ins Spiel gekommen, haben keine Laufbereitschaft gezeigt und die Zweikämpfe nicht angenommen“, resümierte ein enttäuschter Tigers-Coach Jürgen Rumrich. Am Ende war das Match dann mit dem dezimierten Kader ein Muster ohne Wert, aber schon in den aussagekräftigeren ersten 30 Minuten konnte man eben nie an die Leistung der Vorwoche anknüpfen, leistete sich gerade in der Defensive zu viele haarsträubende Fehler, die die cleveren Gastgeber um ihren überragenden Paradeblock mit Rotter, Fortier und Gratton eiskalt ausnutzten und ließ den richtigen Einsatz vermissen. Bei den Tigers hingegen
merkte man das Fehlen von Lee Goren im ersten Sturm, dem dadurch doch deutlich an Durchschlagskraft fehlte.
Capitals lauf- und spielstark
Ersatzgeschwächt gingen also beide Teams in das Prestigeduell: Denn bei den Caps fehlten neben Dolezal mit Björnlie und Larose zwei Kontingentspieler, aber auch die Tigers mussten kurzfristig neben Osterloh und Röthke eben auch auf Lee Goren verzichten, der bei seiner hochschwangeren Frau blieb, die noch am Freitag einen Sohn zur Welt brachte.
Dementsprechend waren beide Teams bei subtropischen Temperaturen in der Wiener Albert-Schulz- Halle in den ersten Minuten erst einmal auf Sicherheit bedacht. Als Wien aber in der fünften Minute nach wunderbarer Powerplay-Kombination über Rotter, Gratton und Fortier durch letzteren in Führung ging, schlug das Pendel klar zugunsten der Gastgeber aus. Wie in Straubing zeigten sich die Capitals als enorm lauf- und spielstarke Mannschaft und setze so die Tigers immer wieder unter Druck. Hinzu kam eine effiziente Chancenverwertung, starke Special-Teams und immer wieder schwere Fehler in der Straubinger Abwehr. Einer dieser Fehler führte
bei Straubinger Überzahl auch zum 2:0 für Wien. Ondruschka verlor in der neutralen Zone den Zweikampf gegen Fortier, der den Alleingang sicher verwertete. Doch damit nicht genug, in ihrem zweiten Powerplay
schlugen die Caps erneut zu und stocherten den Puck im Nachschuss zum 3:0 über die Linie. Die Tigers waren in den ersten 20 Minuten eigentlich nur zweimal gefährlich vor dem Tor von Jürgen Penker: Trew (13.) und Stewart (19.) scheiterten aber jeweils freistehend vor dem österreichischen Nationalkeeper.
Schwache Schiedsrichter
Mit dem 4:0 bei doppelter Überzahl für die Gastgeber kurz nach Wiederbeginn war die Partie entschieden und beide Teams schalteten einen Gang zurück. Die Tigers hatten nun einige Chancen mehr, scheiterten aber immer wieder an Penker.
Zwischenzeitlich sorgte der schwache Schiedsrichter mit seiner uneinheitlichen Regelauslegung immer wieder für Kopfschütteln und Aufregung, so blieb ein Check von hinten gegen Maximilian Forster, der daraufhin in der Kabine genährt werden musste, aber wieder aufs Eis zurückkehrte, ungeahndet. Unnötig aber freilich das Einsteigen von Stewart kurz vor dem Ende des zweiten Drittels, was den Tigers beim Abgang in die Pause ein gellendes Pfeifkonzert einbrachte.
Im Schlussdrittel tat sich außer den Spieldauerstrafen gegen Ulmer, Baindl und Whitecotton nicht mehr viel. Und so ging ein Freundschaftsspiel zuende, dass diesen Namen angesichts von vier Spieldauerstrafen, zwei Disziplinarstrafen, einer schweren Verletzung und insgesamt fünf Platzwunden auf beiden Seiten kaum verdient hatte. „Das war ein enttäuschendes Spiel von uns, Wien hat verdient gewonnen, da gibt es nichts zu beschönigen“, meinte Rumrich, der an den Eskalationen auf dem Eis auch dem Schiedsrichter eine Mitschuld gab: „Da hat sich mit der Zeit einiges aufgebauscht. Wenigstens hat sich bei uns niemand schwerer verletzt.“
Vienna Capitals: Penker - Rebek, Casparsson; Oraze, Lakos; Bouchard, Riener; Schweda - Rotter, Gratton, Fortier; Kraxner, Rodmann M., Rodmann D.; Nageler, Postek, Ulmer; Ofner, Pinter, Jakobitsch;
Straubing Tigers: Pätzold - Bakos, Ondruschka; Elfring, Wilhelm; Draxinger, Canzanello - Corazzini, Hahn, Meloche; Stewart, Mapletoft, Trew; Schönberger, Whitecotton, Baindl; Forster, Brückner;
Tore: 1:0 (4:07) Fortier (Rotter, Gratton - 5-4), 2:0 (9:10) Fortier (4-5), 3:0 (16:35) Rodman M. (5-4), 4:0 (21:29) Rodman D. (Rodman M., Ulmer - 5-3);
Strafminuten: 25 plus 10 Gratton (Unsportlichkeit) plus 10 Postek (Check von hinten) plus Spieldauer
Ulmer (Unnötige Härte) - 42 plus Spieldauer Elfring (Hoher Stock) plus Spieldauer Stewart (Bandencheck mit Verletzungsfolge) plus Spieldauer Whitecotton (Check von hinten) plus Spieldauer Baindl (Unnötige
Härte);
Schiedsrichter: Falkner;
Zuschauer: 2000.
Mit dem Volksfest erstes Saisonhighlight bereits erlebt
(mir) „Vorbereitung schön und gut, was zählt ist die Saison.“ Wohl jeder Eishockeytrainer benutzt diesen
Satz vor dem Start der neuen Spielzeit, wenn er nach der Leistung seines Teams oder einzelner Spieler gefragt wird. Tigers-Coach Jürgen Rumrich ist da keine Ausnahme. Wenn die Sprache allerdings auf Neuzugang Derek Hahn kommt, kann man durchaus mehr als diese Floskel aus ihm herauskitzeln. Denn der Kanadier könnte eines der wichtigsten Puzzleteile im Mannschaftsgefüge der Tigers zum Erreichen der Playoffs sein.
Der 32-Jährige schoss nicht nur das erste Tigers-Tor dieser Saison im Vorbereitungsspiel gegen den EHC München. Er bewies in den vergangenen Partien, dass er läuferisch und technisch stark ist, auch im Powerplay Akzente setzen kann und stets ein gutes Auge für seine Mitspieler hat. Nach einer Zwangspause aufgrund einer Muskelverhärtung im zweiten Testspiel gegen Wien führt er seither überzeugend den ersten Block als Center zwischen den anderen beiden Neuzugängen Carl Corazzini und Lee Goren an. „In der Vorbereitung hat es gut geklappt. Wir reden viel und verstehen uns auch abseits der Eisfläche“, erzählt Hahn, dem zuviel Lob fast unangenehm zu sein scheint: „Ich
will alles richtig machen und den Tigers helfen. Meine Aufgabe ist Tore zu schießen. Das ist es, was ich versuche.“
Seine Verpflichtung für die neue Saison ging vor wenigen Wochen ganz schnell. Nach der Bekanntgabe der Insolvenz der Frankfurt Lions verpflichteten die Tigers zunächst seinen Teamkollegen Sebastian Osterloh, ehe man zwei Tage später Hahn mit einem Ein-Jahres-Vertrag ausstattete. Der sportliche Leiter Jürgen Pfundtner war zunächst selbst überrascht, dass der Stürmer ernsthaftes Interesse an den Niederbayern zeigte, „denn es gab auch genügend andere namhafte Clubs, die ihn haben wollten.“ Doch Hartnäckigkeit und gute Argumente zahlen sich bekanntlich aus, das weiß auch Pfundtner: „Wir haben ihn letztlich überzeugen können, dass er bei uns eine absolute Führungsrolle im ersten Block spielen kann und viel Eiszeit in Über- und Unterzahl erhalten wird.“
Für Straubing war Hahn auch deshalb interessant, kennt er doch die Liga und braucht somit keine Eingewöhnungszeit. Seit 2007 stand der 1,83 m große und 85 kg schwere Kanadier bei den Frankfurt Lions unter Vertrag. In der vergangenen Saison brachte er es in 55 Spielen auf 50 Scorerpunkte´(14 Tore und 36 Assists).
Zum Vergleich: Bei der gleichenAnzahl der Spiele schaffte Billy Trew 34 Punkte. Seit seinem Engagement in Frankfurt kennen und verstehen sich auch seine Frau und die Angetraute von Osterloh gut.
Auch wenn das nicht der Hauptgrund für seinen Wechsel nach Straubing war, so muss Hahn doch zugeben: „Es beeinflusst natürlich und macht vieles einfacher, wenn man hier schon jemanden kennt.“ Seit Ende Juli wohnt er nun in der Gäubodenstadt. Wie bei allen Kanadiern war auch für ihn das bisherige Highlight abseits der Eisfläche das Gäuboden-Volksfest. „Es hat unglaublichen Spaß gemacht, zumal wir in dieser Woche auch noch den Volksfestpokal gewonnen haben“, freut sich Hahn. Bei der Teampräsentation durfte er im Festzelt das obligatorische Bierfass anzapfen und bewies mit lediglich drei Schlägen absolute Durchschlagskraft. Schade fand er allerdings, dass seine Frau und seine vier Monate alte Tochter an dem Tag nicht dabei sein konnten. Sie kamen erst am vergangenen Montag nach Straubing, besuchten aber trotz des Jetlags am gleichen Abend noch das Gäubodenfest.
Für sein großes Hobby Puzzlen bleibt nun sicherlich keine Zeit mehr, schließlich beginnt in einer Woche auch schon der Ligabetrieb und die volle Konzentration gilt dem Unternehmen Playoffs. Dieses Puzzle hat nur 52 Teile – für Hahn sicherlich ein Kinderspiel…
Michaela Retzer
Freier Eintritt für Kinder bis 14 Jahre bei der Generalprobe
(wel) Vier Wochen Vorbereitungszeit nehmen am Sonntag für die Straubing Tigers ein Ende: Mit dem Heimspiel gegen DEL-Aufsteiger München (Spielbeginn 18 Uhr am Pulverturm) endet die Vorbereitung auf die am Freitag beginnende DELSaison. Und zum Abschluss haben sich die Verantwortlichen noch einmal ein besonderes Zuckerl für die Fans überlegt: Die Tigers führen gegen München einen Familientag durch. Das heißt: alle Kinder bis 14 Jahre erhalten freien Eintritt. Diese Aktion wurde auch bereits im Vorjahr beim letzten Vorbereitungsspiel
durchgeführt.
Eines soll sich nicht wiederholen: Dass sich vor Saisonstart jemand verletzt. Dies passierte im Vorjahr und war der Beginn der Straubinger Verletztenmisere. Doch daran will Trainer Jürgen Rumrich nicht denken: „Wir konzentrieren uns darauf, einen guten Abschluss der Vorbereitung zu haben und wollen zeigen, welche Entwicklung wir im Vergleich zum Auftakt und der Niederlage in München gemacht haben.“ Ob Sebastian Osterloh noch geschont wird, entscheidet sich kurzfristig, im Tor steht bei der Generalprobe Dimitri Pätzold.
Der Aufsteiger aus München hat in der Pre-Season für Aufsehen gesorgt und ließ mit Siegen gegen DEL-Clubs wie Straubing und Augsburg aufhorchen. Am vergangenen Wochenende holte man sich zudem den Turniersieg in Dresden, wo neben dem heimischen Zweitligisten noch die tschechischen Top-Clubs Kladno und Pilsen die Gegner waren. Das zeigt schon, dass der EHC alles andere als Kanonenfutter in der DEL sein will und auch ein Blick auf die Neuverpflichtungen unterstreicht dies: Mit den DEL-erfahrenen Julien, Adams, Ready und Schneider sicherte man sich erfahrene Kräfte, die das Team deutlich stärker machen. Aber auch in München gilt natürlich das Hauptaugenmerk dem Saisonstart. Deshalb ist der Einsatz der angeschlagenen Adams, Kompon, Dietrich und Reid aus Schonungsgründen fraglich, Verteidiger Sören Sturm fällt mit einem Leistenbruch aus. „Wir müssen auf dem Boden bleiben, wir sind nicht besser als andere DELTeams“, drückt Aufstiegstrainer Pat Cortina angesichts der guten Ergebnisse auf die Euphoriebremse. „Unser Plus ist mannschaftliche Geschlossenheit und Disziplin.“